
Viele Ernährungsfehler von Eltern werden gemacht, weil sie es richtig gut machen möchten, aber oft nicht wissen, wie sie sich in manchen Situationen verhalten sollen. Zu glauben, dass Ernährungserziehung mit 2 Jahren, mit dem Kindergarten oder beim Schulkind beginnt ist ein fataler Fehler. Kinder lernen von Anfang an. Und einige ganz wichtige Grundlagen guter Ernährung werden im Säuglingsalter gelegt. Wir haben Ihnen hier eine Übersicht zusammengestellt, worauf Sie achten sollten.
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Man braucht nur in die Stadt zu fahren – oder in den nächsten großen Supermarkt – um folgendes Phänomen zu beobachten: Kinder, die ununterbrochen etwas essen oder trinken. Kinder, die in einer Hand einen Keks, in der anderen Hand ein Stückchen Schokolade halten. Kinder, die an einer Flasche mit einem ganz offensichtlich süßen Getränk nuckeln. Ganz ehrlich: Noch nie ist ein Kind beim Einkaufen verhungert. Wenn Sie die Essenszeiten plus feste Zeiten für eine kleine Zwischenmahlzeit einhalten, wird Ihr Kind satt und zufrieden durch den Tag kommen. Und falls es mal wirklich vor Hunger zu krähen anfängt, reicht ein halbes trockenes Brötchen völlig aus. Wer natürlich sein Kind unterwegs sofort mit süßem Zwieback, Keksen und Schokoriegeln eindeckt, muss sich nicht wundern, wenn er die Quittung in Form eines nervigen und übergewichtigen Nimmersatts erhält.
Kinder haben von Natur aus ein gut funktionierendes Sättigungsempfinden! Erst durch äußere Einflüsse – also Erwachsene aber auch durch Geschwister – wird der „Hunger-Satt-Mechanismus“ gestört.
Dabei kommt ein ruhiges Kind durchaus mit einer wesentlich geringeren Nahrungsmenge aus als ein lebhaftes. Und größere Schwankungen in den verzehrten Mengen gibt kommen in jeder Altersstufe vor. Wenn ein Kind gesund und munter wirkt, gleichzeitig aber mehrere Tage hintereinander wie ein Spatz isst, braucht es noch lange nicht krank zu sein. Erst wenn zum geringen Appetit andere Symptome hinzukommen, ist ein Besuch beim Kinderarzt angeraten.
Die meisten Kinder bevorzugen die Geschmackrichtung süß. Süßen Sie von Anfang an äußerst sparsam und achten Sie beim Einkauf von fertigen Lebensmitteln auf versteckten Zucker. Möglicherweise stillt schon frisches Obst, ein selbstgemachtes Fruchteis oder Fruchtjoghurt das Verlangen Ihres Kindes nach etwas Süßem.
Setzen Sie zudem Nahrungsmittel weder als Belohnung noch als Trostpflaster ein. Das zukünftige Ernährungsverhalten ihres Kindes wird durch solche Erziehungsmaßnahmen maßgeblich geprägt. Der Körper Ihres Kindes würde sich darauf einstellen, dass er bei Stress, bei dem Bedürfnis nach Trost oder auch zur Belohnung nach Essen verlangt. Damit entstünde eine Koppelung von emotionaler Disbalance mit Essen. Dabei gibt es doch viel bessere Strategien sich zu trösten oder sich zu belohnen.
Achten Sie allerdings darauf, dass Ihr Kind genügend trinkt! Allerdings nur Mineralwasser oder ungesüßten Tee. Das sind „Getränke“. Alles andere sollten Sie als „Leckerchen“ parat halten – nicht als Getränke. Und je länger Sie Cola und Limo (auch in den Zero-Varianten) aus Ihrem Haushalt fern halten können um so besser für Ihr Kind. Selbst wenn diese Getränke keine Kalorien haben, verderben Sie durch ihre starke Süßung den Geschmack. Und für die Zähne sind sie auch nicht besonders gut.Milch ist ebenfalls nicht als Durstlöscher gedacht, allerdings für Kinder als Calciumspender unentbehrlich.
Verwenden Sie bis zum 2. Lebensjahr pasteurisierte Vollmilch (3,5 % F.), denn über die Vollmilch erhält der kindliche Organismus genügend Fett, um fettlösliche Vitamine aus der Nahrung verwerten zu können. Später sollte dann zur teilentrahmten Milch (1,5 % F.) übergegangen werden. Meiden Sie handelsübliche Fertigmilchprodukte wie Kakao, Joghurtdrinks, Fruchtjoghurt oder Fruchtquark. Sie enthalten in aller Regel zu hohe Mengen an Zucker. Besser ist es diese selbst zuzubereiten, beispielsweise aus Naturjoghurt mit kleingeschnittenem Frischobst.
Obst und Gemüse sind bei den meisten Kindern nicht unbedingt der Hit, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem Ernährungsbericht 2008 herausfand. Diese Nahrungsmittel sind allerdings reich an Vitaminen und Spurenelementen. Dabei essen die meisten Kinder klaglos Obst und Gemüse, wenn man es ihnen in mundgerechte Stücke schneidet und kommentarlos ins Kinderzimmer stellt. Vermeiden Sie jegliche Diskussionen um „gesundes Essen“. Sprechen Sie das gar nicht erst an. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Und ein Teller mit geschältem Obst oder Gemüse in mundgerechten Stücken ist für viele Kinder eine richtige Freude. Wichtig ist, dass die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen.
Übrigens: Püriertes Obst kann man super einfrieren und als Fruchteis anbieten. Gemüse schmeckt in pürierter Form als Suppe oder als leckere Nudelsoße. Und ein Rohkost-Teller mit verschiedenen Dips bleibt bei kaum einem Abendessen stehen. Gemüsearten wie Möhren, Kohlrabi, Paprika und Gurken eignen sich prima. Wenn die Kinder größer sind, können Sie es auch mit Radieschen oder Staudensellerie probieren.
Bieten Sie Ihrem Kind immer wieder wechselnde Brotsorten an, wobei Sie Vollkornprodukte stets bevorzugen sollten. Dabei muss nicht unbedingt das volle Korn zu sehen sein, auch Vollwertbrot aus fein gemahlenem Mehl ist prima geeignet. Auch Vollkorntoast ist nicht schlecht, nur leider ist da nur ein Teil des Brotes wirklich Vollkorn. Schauen Sie sich dazu einfach die Verpackung etwas genauer an. Steht Vollkornmehl an erster Stelle, ist das Toastbrot okay. Wählen Sie als Beilage häufiger Kartoffeln und bereiten Sie diese als Salzkartoffeln, Püree als Ofenkartoffeln mit Kräuterquark oder als Bratkartoffeln mit ganz wenig Fett zu. Pommes sollten Sie Ihren Kindern nur als „Backofen-Pommes“ geben, nicht frittiert.
Vollkornreis wird von Kindern in der Regel problemlos akzeptiert, und auch Vollkornnudeln werden klaglos gegessen, wenn Ihr Kind nichts anderes gewöhnt ist. Hier sind einfach die Eltern die Vorbilder. Wenn sich nur ein Elternteil negativ über die Nahrungsmittelauswahl auslässt, kann das der Start für tägliche Diskussionen ums Essen sein. Sorgen Sie deshalb dafür, dass die Entscheidung über das Essen eine Entscheidung BEIDER Elternteile ist – und dass auch Ihr Partner das Essen klaglos akzeptiert.
Ob ein Lebensmittel „gut“ oder „böse“ ist, können Sie nur entscheiden, wenn Sie auch die Verpackung studieren, die Inhaltsstoffe prüfen, die Zusammensetzung unter die Lupe nehmen. Worauf Sie genau achten müssen und wie Sie Lebensmittel beurteilen, erfahren Sie zum Beispiel im Online-Ernährungskurs von LowFett 30 (www.lowfett.de). Nur weil ein Lebensmittel „Gemüse-xxxx“ heißt oder „gesunder Seefisch mit …“ oder „Kinder-xxxxx“ ist es noch lange nicht gesund. Umgekehrt gilt: Nur weil wir es „Kuchen“ nennen oder „Pizza“ muss es noch lange nicht ungesund sein.
Entscheidend ist bei allen Lebensmitteln Zusammensetzung in Hinblick auf die Makronährstoffe Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß so wie das Zutatenverzeichnis, von dem Sie erwarten dürfen, dass es weder künstliche Aromen noch Stabilisatoren oder Farbstoffe enthält.
Gegen die Verwendung von Fertigprodukten ist nichts einzuwenden, wenn sie entweder frisch sind (und OHNE Geschmacksverstärker) oder tiefgekühlt. Denn gerade Tiefkühlkost kommt hervorragend ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, Farbstoffe und künstliche Aromen aus.
Und: Sie sollten darauf achten, dass die Produkte gut portionierbar sind, damit Ihr Kind möglichst lange bedarfsgerecht isst und sich nicht durch große Portionen zum Essen großer Mengen verführen lässt.
Mindestens 1 Stunde täglich sollte sich Ihr Kind am besten an der frischen Luft und mit Freunden austoben.
Kinder und Fernsehen
In Untersuchungen konnte man belegen, dass die Dauer des Medienkonsums ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Übergewicht ist. Daher begrenzen Sie die Zeit, die Ihr Kind fernsieht oder Computer spielt. Eine ½ Stunde pro Tag reichen völlig aus. Kinder, die den ganzen Nachmittag draußen herumtollten, sind außerdem viel ausgeglichener als solche, die ihre Zeit vor dem Fernseher verbracht haben.
